Mensch oder KI für medizinische Übersetzungen? So entscheiden Sie richtig.

Birgit HofmannBeomedBlog

Sie brau­chen kurz­fris­tig eine medi­zi­ni­sche Über­set­zung und über­le­gen, dafür Künst­li­che Intel­li­genz zu nut­zen?
Hier erfah­ren Sie, wann das sinn­voll ist – und in wel­chen Fäl­len mensch­li­che Fach­über­set­zer die bes­se­re Wahl sind.

Das Wich­tigs­te in Kür­ze

  • KI-Über­set­zun­gen wir­ken attrak­tiv, weil sie schnell ver­füg­bar sind und zunächst wenig kos­ten.
  • In der Pra­xis ent­steht oft ein hoher Auf­wand für die Nach­be­ar­bei­tung von KI-über­setz­ten Tex­ten.
  • Nütz­li­che Über­set­zun­gen lie­fert KI bei klar struk­tu­rier­ten Tex­ten, Roh­fas­sun­gen oder Tex­ten zur fir­men­in­ter­nen Ver­wen­dung.
  • Bei medi­zi­ni­schen Fach­tex­ten kön­nen unprä­zi­se Über­set­zun­gen schwer­wie­gen­de Fol­gen haben und Haf­tungs­ri­si­ken ver­ur­sa­chen.
  • KI erkennt Unklar­hei­ten im Aus­gangs­text häu­fig nicht. Sie hal­lu­zi­niert dann plau­si­bel klin­gen­de, aber fal­sche Über­set­zun­gen.
  • Mensch­li­che Fach­über­set­zer prü­fen Inhal­te kri­tisch und stel­len Rück­fra­gen, sie beach­ten den Kon­text und nut­zen ein­heit­li­che Ter­mi­no­lo­gie.
  • Fazit: Ein sorg­fäl­ti­ges Abwä­gen aller Vor- und Nach­tei­le senkt die Risi­ken.
    Bei regu­la­to­ri­schen, gesund­heits­kri­ti­schen oder image­re­le­van­ten Tex­ten über­wie­gen die Vor­tei­le einer Human­über­set­zung.
  • Mein Tipp: Die Kom­bi­na­ti­on aus Mensch und KI wirkt wie ein Tur­bo: Pro­fi-Fach­über­set­zer nut­zen Künst­li­che Intel­li­genz wie ein Prä­zi­si­ons­in­stru­ment und gewähr­leis­ten hohe Qua­li­tät auch bei kur­zen Lie­fer­fris­ten.

Inhaltsverzeichnis

Warum KI-Übersetzungen besonders in der Medizin einen Hype erleben

Ken­nen Sie das? Es ist Frei­tag­vor­mit­tag, Sie haben gera­de einen Bescheid von der deut­schen Behör­de erhal­ten und sol­len bis Diens­tag Stel­lung neh­men.
Dazu muss der Bescheid aber erst ins Eng­li­sche über­tra­gen wer­den, damit die Mut­ter­fir­ma in den USA ein­be­zo­gen wer­den kann, und die eng­li­sche Ant­wort brau­chen Sie dann wie­der auf Deutsch. Stress pur!

Knap­pe Bud­gets, enge Time­lines und immer mehr zu über­set­zen­de Tex­te – sol­che Situa­tio­nen müs­sen Sie als Beschäf­tig­te in der Gesund­heits­bran­che täg­lich bewäl­ti­gen. Da wirkt Künst­li­che Intel­li­genz wie ein All­heil­mit­tel: Sie ist schnell, schein­bar güns­tig und jeder­zeit ver­füg­bar.

In der Pra­xis zeigt sich aber, dass ein kur­zes „Drü­ber­schau­en“ bei KI-Über­set­zun­gen sel­ten reicht:

  • Medi­zi­ni­sche Fach­ab­tei­lun­gen ver­brin­gen viel Zeit damit, KI-Über­set­zun­gen wie­der gera­de­zu­bie­gen.
  • Das Nach­be­ar­bei­ten von KI-Über­set­zun­gen durch Fach­über­set­zer kos­tet mehr als gedacht.

Des­halb kann Ihnen eine gründ­li­che Abwä­gung „Mensch vs. KI“ vor Beginn einer Über­set­zung viel Zeit spa­ren und die Ner­ven scho­nen.

KI-Übersetzung vs. menschliche Fachübersetzer bei medizinischen Texten

Die Ent­schei­dung zwi­schen KI und Mensch bei der medi­zi­ni­schen Über­set­zung ist sel­ten eine rei­ne Kos­ten­fra­ge. Min­des­tens eben­so wich­tig sind für Pharma‑, Med­Tech- und Med­Comms-Unter­neh­men bei­spiels­wei­se:

  • Geschwin­dig­keit
  • Qua­li­tät
  • regu­la­to­ri­sche Sicher­heit
  • Haf­tungs­ri­si­ko
  • Auf­wand für Mit­ar­bei­ten­de des Kun­den.

Bei die­sen und ande­ren Kri­te­ri­en unter­schei­den sich KI-Über­set­zun­gen und eine pro­fes­sio­nel­le mensch­li­che Fach­über­set­zung deut­lich. Je nach­dem, wor­auf es Ihnen als Kun­din oder Kun­de ankommt, wer­den Sie die Vor- und Nach­tei­le ganz unter­schied­lich gewich­ten.

Entscheidungshilfe-Tabelle: Mensch oder KI bei medizinischen Übersetzungen

In der fol­gen­den Über­sicht sind die wich­tigs­ten Ent­schei­dungs­kri­te­ri­en gegen­über­ge­stellt. Eine aus­führ­li­che Erklä­rung der Vor- und Nach­tei­le fin­den Sie wei­ter unten.

Kri­te­ri­umÜber­set­zung durch KI-ToolMensch­li­che Über­set­zungBewer­tung /​Inter­pre­ta­ti­on
Geschwin­dig­keitErgeb­nis­se in Sekun­den ver­füg­barBegrenz­te Tages­leis­tung oder Über­set­zer­teams nötigVor­teil KI bei sehr kurz­fris­ti­gem Bedarf
Kos­tenGerin­ge direk­te Kos­ten bei frei ver­füg­ba­rer KI; Auf­wand durch Promp­ting /​Nach­be­ar­bei­tungHöhe­re Hono­ra­re, aber weni­ger Nach­be­ar­bei­tungKI wirkt güns­ti­ger, ver­ur­sacht aber ver­steck­te Kos­ten
Text­vo­lu­menGro­ße Text­men­gen schnell ver­ar­beit­barHohe Volu­mi­na erfor­dern mehr Zeit oder Team­ar­beitVor­teil KI bei Mas­sen­tex­ten
Qua­li­tätGut bei klar struk­tu­rier­ten Tex­ten; stark abhän­gig von Input /​Nach­be­ar­bei­tungFach­lich und sprach­lich prä­zi­se, kon­text­sen­si­belVor­teil Mensch bei Fach­tex­ten
Hal­lu­zi­na­tio­nen & Fehl­in­ter­pre­ta­tio­nenPlau­si­bel klin­gen­de, aber fal­sche Über­set­zun­gen mög­lichUnkla­re Pas­sa­gen wer­den erkannt und aktiv geklärtStar­ker Vor­teil Mensch
Ter­mi­no­lo­gie­kon­sis­tenzNur bei Ein­bin­dung gepfleg­ter Glos­sa­reAkti­ve Ter­mi­no­lo­gie­ar­beit und Glos­s­ar­pfle­geVor­teil Mensch
Regu­la­to­ri­sche Sicher­heitAbhän­gig von Input und sorg­fäl­ti­ger Nach­kon­trol­leKennt­nis regu­la­to­ri­scher Anfor­de­run­genVor­teil Mensch
Ziel­grup­pen­ver­ständ­nisFehlt ohne prä­zi­ses Promp­tingAna­ly­se von Ziel­grup­pe und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zielVor­teil Mensch
Mar­ke­ting- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tex­teKul­tu­rel­le /​emo­tio­na­le Nuan­cen nur ein­ge­schränkt erfass­barSen­si­bi­li­tät für Nuan­cen, Anpas­sung an Tona­li­tät und kul­tu­rel­len Kon­textVor­teil Mensch
Abstim­mungs­auf­wandKein Brie­fing, aber auf­wen­di­ges Promp­tingBrie­fing und Feed­backUnter­schied­li­che Arbeits­wei­se
Ansprech­part­nerKein mensch­li­cher Kon­taktDirek­te Ansprech­per­sonVor­teil Mensch
Haf­tungs­ri­si­koHohes Risi­ko ohne qua­li­fi­zier­te Nach­be­ar­bei­tungRedu­ziert durch Know-how und QAKla­rer Vor­teil Mensch
Ver­trau­lich­keit und Daten­schutz (DSGVO)Kri­tisch bei frei ver­füg­ba­ren Sys­te­menVer­trag­lich abge­si­chert Vor­teil Mensch
Auf­wand für Mit­ar­bei­ten­deVor- /​Nach­be­rei­tung der KI-Über­set­zung erfor­der­lichGering bei län­ger­fris­ti­ger Zusam­men­ar­beitVor­teil Mensch

Vor- und Nachteile von KI- und Humanübersetzungen im Detail

Hier sind nun alle Stär­ken und Schwä­chen der bei­den Über­set­zungs­stra­te­gien ein­zeln auf­ge­führt.

Diese Vorteile sprechen für menschliche Übersetzer bei medizinischen Texten

Wäh­rend KI-Model­le Tex­te nur auf Basis sta­tis­ti­scher Wahr­schein­lich­kei­ten und sprach­li­cher Mus­ter errech­nen, erfas­sen medi­zi­ni­sche Fach­über­set­zer die tat­säch­li­chen Bedeu­tun­gen, die Zusam­men­hän­ge und die Ziel­set­zung eines Tex­tes.

Was das kon­kret bedeu­tet:

  • Sach­ver­ständ­nis und struk­tu­rier­te Recher­che – Medi­zi­ni­sche Fach­über­set­zer arbei­ten sich auf Grund­la­ge ihres Fach­wis­sens rasch in neue The­men­ge­bie­te ein. Sie prü­fen Quel­len, glei­chen die Ter­mi­no­lo­gie ab, ana­ly­sie­ren den Kon­text und bewer­ten die Plau­si­bi­li­tät von Aus­sa­gen.
  • Hin­wei­se auf Feh­ler oder Unklar­hei­ten im Aus­gangs­text – Fach­über­set­zer neh­men den Aus­gangs­text kri­tisch unter die Lupe. So erken­nen sie Wider­sprü­che, unge­naue For­mu­lie­run­gen oder Unge­reimt­hei­ten. Unkla­re Stel­len wer­den nicht wie bei KI frei inter­pre­tiert, son­dern mit den Kun­den abge­klärt.
    Posi­ti­ver Neben­ef­fekt: Auch die Qua­li­tät des Aus­gangs­texts wird auf die­se Wei­se ver­bes­sert. Das ist beson­ders wert­voll, wenn Text­mo­du­le mehr­fach ver­wen­det oder in meh­re­re Spra­chen über­setzt wer­den.
  • Auf­bau und Pfle­ge pro­dukt- und fir­men­spe­zi­fi­scher Ter­mi­no­lo­gie – Eine pro­fes­sio­nel­le Ter­mi­no­lo­gie­ar­beit ist der Schlüs­sel zu ein­heit­li­chen und ver­ständ­li­chen Tex­ten in Medi­zin und Medi­zin­tech­nik. Mensch­li­che Über­set­ze­rin­nen und Über­set­zer erstel­len und pfle­gen Pro­dukt- und Fir­meng­los­sa­re mit Ter­mi­no­lo­gie­da­ten­ban­ken wie memoQ, Mul­ti­Term oder Quick­Term. So gewähr­leis­ten sie eine ein­heit­li­che Wort­wahl über alle Doku­men­te hin­weg („Cor­po­ra­te Wor­ding“).
  • Kon­ti­nu­ier­li­che Wei­ter­bil­dung in Medi­zin, Tech­nik und regu­la­to­ri­schen Anfor­de­run­gen – Um mit neu­en Pro­dukt­ent­wick­lun­gen und regu­la­to­ri­schen Vor­ga­ben Schritt zu hal­ten, bil­den sich medi­zi­ni­sche Fach­über­set­zer kon­ti­nu­ier­lich fort. Sie ver­tie­fen ihr Fach­wis­sen, schär­fen ihre sprach­li­che Kom­pe­tenz und arbei­ten sich in neue IT-Anwen­dun­gen ein, damit die Kun­den mög­lichst ein­fach und schnell ihre Über­set­zun­gen bekom­men.
  • Per­sön­li­che Ansprech­per­son und direk­ter Aus­tausch – Vie­le Kun­din­nen und Kun­den aus Phar­ma­un­ter­neh­men oder Health­ca­re-Agen­tu­ren wün­schen sich eine fes­te Ansprech­per­son für ihre Über­set­zungs­pro­jek­te. Das spart ihnen Zeit bei der Auf­trags­klä­rung und ver­ein­facht Abstim­mun­gen. Ins­be­son­de­re bei kom­ple­xen oder sen­si­blen Inhal­ten ist der direk­te Aus­tausch mit dem Über­set­zer oder der Über­set­ze­rin effi­zi­en­ter als die Nut­zung eines anony­men Sys­tems.
  • Akti­ves Nach­fra­gen bei feh­len­dem Text­ver­ständ­nis – Mensch­li­che Über­set­ze­rin­nen und Über­set­zer ken­nen die Gren­zen ihres eige­nen Ver­ständ­nis­ses und dis­ku­tie­ren offe­ne Punk­te mit ihren Kun­den. Unkla­re Pas­sa­gen wer­den also nicht ein­fach inter­pre­tiert oder still­schwei­gend ergänzt, son­dern trans­pa­rent ange­spro­chen.
  • Sen­si­bi­li­tät für Zwi­schen­tö­ne, Adap­ti­on und kul­tu­rel­le Nuan­cen – Mensch­li­che Fach­über­set­zer über­tra­gen medi­zi­ni­sche Inhal­te nicht nur sprach­lich, son­dern pas­sen sie an Kon­text, Ziel­grup­pe und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ziel an. Sie erfas­sen sprach­li­che Bil­der, impli­zi­te Bot­schaf­ten und fei­ne Bedeu­tungs­nu­an­cen, damit Mar­ke­ting­ma­te­ria­li­en und Awa­re­ness-Kam­pa­gnen Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten sowie medi­zi­ni­sche Fach­kräf­te errei­chen und die gewünsch­te Wir­kung erzie­len.

Das sind die Nachteile menschlicher Übersetzer bei medizinischen Texten

Bei medi­zi­ni­schen Tex­ten über­zeu­gen mensch­li­che Über­set­zungs­pro­fis durch Qua­li­tät und Kon­text­ver­ständ­nis. Gleich­zei­tig gibt es orga­ni­sa­to­ri­sche Ein­schrän­kun­gen.

Schau­en wir uns die wich­tigs­ten Punk­te an:

  • Begrenz­te Kapa­zi­tät bei gro­ßen Volu­mi­na – Je nach Kom­ple­xi­tät des Tex­tes und Recher­che­auf­wand sind bei rei­ner Human­über­set­zung etwa 1.500 bis 2.000 Wör­ter pro Tag rea­lis­tisch. Umfang­rei­che Zulas­sungs­do­ku­men­te oder Pro­dukt­launch-Mate­ria­li­en etwa erfor­dern des­halb län­ge­re Lie­fer­fris­ten, ein­ge­spiel­te Über­set­zer­teams oder eine Hybrid­lö­sung aus Mensch plus KI.
  • Abstim­mungs­be­darf durch Brie­fing und Feed­back – Pro­fes­sio­nel­le Fach­über­set­zer benö­ti­gen kla­re Vor­ga­ben (z. B. zur Ziel­grup­pe und zum Ver­wen­dungs­zweck), Refe­renz­do­ku­men­te sowie kon­struk­ti­ves Feed­back, damit sie treff­si­che­re medi­zi­ni­sche Tex­te lie­fern kön­nen. Das erfor­dert eine Zeit­in­ves­ti­ti­on auf bei­den Sei­ten.
  • Höhe­re Kos­ten – Fach­über­set­ze­rin­nen und ‑über­set­zer sind Sprach­pro­fis mit medi­zi­ni­schem Spe­zi­al­wis­sen, die sich kon­ti­nu­ier­lich fort­bil­den. Die Über­set­zungs­kos­ten sind daher auf den ers­ten Blick höher als bei Nut­zung frei ver­füg­ba­rer KI-Tools.
  • Ter­mi­no­lo­gie­ma­nage­ment ver­ur­sacht Auf­wand –Die sys­te­ma­ti­sche Erar­bei­tung eines Fir­men­wort­schat­zes oder Pro­dukt­glos­sars trägt wesent­lich zu einer hohen Über­set­zungs­qua­li­tät. Gleich­zei­tig bedeu­tet sie orga­ni­sa­to­ri­schen Auf­wand und eine Zusatz­in­ves­ti­ti­on.

Doch was sind nun die Stär­ken und Schwä­chen von Künst­li­cher Intel­li­genz bei medi­zi­ni­schen Über­set­zun­gen?

Diese Vorteile sprechen für KI bei der medizinischen Übersetzung

KI ist sofort ein­satz­be­reit und über­setzt auch lan­ge Tex­te ohne orga­ni­sa­to­ri­schen Auf­wand. Das ent­las­tet vor allem bei inter­nen Doku­men­ten oder ers­ten Ent­wür­fen.

Was bedeu­tet das kon­kret?

  • Hohe Geschwin­dig­keit und sofor­ti­ge Ver­füg­bar­keit – Eine KI über­setzt inner­halb von Sekun­den. Die Suche nach einem pas­sen­den Fach­über­set­zer sowie Brie­fing, Ange­bots­prü­fung und Rück­fra­gen ent­fal­len. Vor allem wenn Unter­la­gen kurz­fris­tig benö­tigt wer­den, ist das ein Plus­punkt.
  • Kos­ten­ein­spa­rung – Wird ein inter­nes oder frei ver­füg­ba­res KI-Sys­tem genutzt, ent­ste­hen zunächst kei­ne exter­nen Über­set­zungs­kos­ten. Unter Bud­get­druck prü­fen vie­le Unter­neh­men daher, ob sie medi­zi­ni­sche Fach­tex­te von KI über­set­zen las­sen kön­nen (aber ver­steck­te Kos­ten!).
  • Ska­lier­bar­keit bei gro­ßen Volu­mi­na – Auch Hun­der­te von Sei­ten medi­zi­ni­scher und medi­zin­tech­ni­scher Tex­te las­sen sich mit KI in kur­zer Zeit über­set­zen. Die Anzahl der Wör­ter spielt für das KI-Sys­tem zunächst kei­ne Rol­le.
  • Ent­las­tung inter­ner Teams – Vie­le Life-Sci­en­ces- und Medi­zin­tech­nik-Unter­neh­men set­zen dar­auf, ihre Über­set­zungs­pro­zes­se durch KI zu beschleu­ni­gen. So sol­len sich Mit­ar­bei­ten­de stär­ker auf Pro­dukt­ent­wick­lung, Zulas­sungs­pro­zes­se oder stra­te­gi­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on kon­zen­trie­ren kön­nen.

Das sind die Nachteile von KI-Übersetzungen medizinischer Texte

Im medi­zi­ni­schen Kon­text kön­nen sprach­li­che Unge­nau­ig­kei­ten ernst­haf­te Fol­gen haben. Des­halb fal­len Schwä­chen von KI-Über­set­zun­gen hier beson­ders ins Gewicht.

Kri­ti­sche Punk­te sind ins­be­son­de­re:

  • Ter­mi­no­lo­gie­kon­sis­tenz – Vie­le Unter­neh­men pfle­gen ihren Fir­men­wort­schatz nicht sys­te­ma­tisch in ihre KI-Über­set­zungs­platt­form ein. Dadurch wer­den Begrif­fe inner­halb eines Doku­ments oder über meh­re­re Tex­te hin­weg unter­schied­lich ver­wen­det. Das kann zu Anwen­dungs- oder Bedien­feh­lern füh­ren – und im Extrem­fall sogar zu Gesund­heits­schä­den bei Pati­en­ten und medi­zi­ni­schen Fach­kräf­ten!
  • Feh­len­des Kon­text- und Ziel­grup­pen­ver­ständ­nis – Die KI kann nur mit den Infor­ma­tio­nen arbei­ten, die man ihr ein­gibt („Promp­ting“). Wer Ziel­grup­pe, Ver­wen­dungs­zweck und gewünsch­te Tona­li­tät nicht prä­zi­se fest­legt, erhält einen Text, der zwar sprach­lich kor­rekt klingt, aber sei­ne Ziel­grup­pe oder Wir­kung ver­fehlt.
  • Aus­gangs­text-Feh­ler und Hal­lu­zi­na­tio­nen – Ent­hält der Aus­gangs­text Feh­ler oder Unklar­hei­ten, weist die KI nicht dar­auf hin. Statt­des­sen erzeugt sie eine schlüs­sig wir­ken­de Über­set­zung, die miss­ver­stan­den wer­den kann. Weil sich das Ergeb­nis flüs­sig liest, wer­den Feh­ler leicht über­se­hen.
  • Unkla­re Haf­tungs­fra­ge bei inhalt­li­chen Feh­lern – Wer für fal­sche KI-Über­set­zun­gen ver­ant­wort­lich ist, ist noch nicht abschlie­ßend geklärt. Zunächst haf­tet jedoch ver­mut­lich das Unter­neh­men, das den Text ver­öf­fent­licht. Dass der euro­päi­sche AI Act KI-Anwen­dun­gen im medi­zi­ni­schen Umfeld zudem als Hoch­ri­si­ko-Sys­te­me ein­stuft, ver­un­si­chert vie­le Health­ca­re-Fir­men.
  • Ver­trau­lich­keit und Daten­schutz im sen­si­blen medi­zi­ni­schen Umfeld – Medi­zi­ni­sche Tex­te ent­hal­ten oft sen­si­ble oder per­so­nen­be­zo­ge­ne Infor­ma­tio­nen. Wer sol­che Inhal­te in KI-Sys­te­me ein­gibt, muss sicher­stel­len, dass die Daten DSGVO-kon­form ver­ar­bei­tet und gespei­chert wer­den. Das ist längst nicht bei jedem Tool selbst­ver­ständ­lich. Alter­na­tiv müs­sen Tex­te vor der Ein­ga­be in die KI auf­wen­dig anony­mi­siert wer­den.
  • Feh­len­de Empa­thie und Welt­wis­sen bei Pati­en­ten­tex­ten – KI ver­ar­bei­tet Spra­che sta­tis­tisch. Sie kennt weder die Lebens­rea­li­tät von Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten noch deren Umfeld. Bei Infor­ma­ti­ons­ma­te­ri­al, Auf­klä­rungs­bö­gen oder Anlei­tun­gen für Betrof­fe­ne und Ange­hö­ri­ge kommt es jedoch dar­auf an, sen­si­bel zu for­mu­lie­ren und auch zwi­schen den Zei­len zu lesen. Ein Text kann sprach­lich kor­rekt und trotz­dem distan­ziert klin­gen oder an den Sor­gen der Men­schen völ­lig vor­bei­ge­hen.

Das Abwä­gen der Vor- und Nach­tei­le einer KI-Über­set­zung lohnt sich, aber bei eini­gen Text­ty­pen über­wie­gen ein­deu­tig die Nach­tei­le:

Bei diesen 4 Arten medizinischer Texte sind KI-Übersetzungen ein Risiko

Bei bestimm­ten Tex­ten kann eine unge­naue oder feh­ler­haf­te Über­tra­gung erheb­li­che Fol­gen haben – fach­lich, regu­la­to­risch oder wirt­schaft­lich.

  • Gesund­heits­kri­ti­sche Tex­te – Dazu zäh­len bei­spiels­wei­se Gebrauchs­an­lei­tun­gen und Packungs­bei­la­gen, da Über­set­zungs­feh­ler hier zu fal­scher Anwen­dung füh­ren und die Gesund­heit von Pati­en­tin­nen, Pati­en­ten oder medi­zi­ni­schem Fach­per­so­nal gefähr­den kön­nen.
  • Regu­la­to­ri­sche Tex­te – Bei unein­heit­lich oder feh­ler­haft über­setz­ten Zulas­sungs­un­ter­la­gen oder tech­ni­sche Doku­men­ta­tio­nen kön­nen Behör­den von Phar­ma- oder Medi­zin­tech­nik­un­ter­neh­men CAPA-Maß­nah­men oder sogar Rück­ru­fe ver­lan­gen.
  • Image­re­le­van­te Tex­te – Web­sites, Mar­ke­ting­tex­te und Pres­se­mit­tei­lun­gen prä­gen die Außen­wir­kung von Phar­ma- und Medi­zin­tech­nik-Unter­neh­men (und ihren Pro­duk­ten). Sprach­li­che Unge­nau­ig­kei­ten oder kul­tu­rel­le Fehl­grif­fe kön­nen Ver­trau­en kos­ten und das Image nach­hal­tig beein­träch­ti­gen.
  • Tex­te mit hohem Wie­der­ver­wen­dungs­po­ten­zi­al – Wenn Inhal­te in meh­re­ren Doku­men­ten, Medi­en oder Pro­dukt­li­ni­en ein­ge­setzt wer­den, wir­ken sich Ter­mi­no­lo­gie- oder Stil­brü­che nach­hal­tig aus. Jeder Feh­ler setzt sich fort und über­trägt sich auf wei­te­re Doku­men­te.

Bei sol­chen Tex­ten reicht eine rein auto­ma­ti­sier­te Über­set­zung ohne qua­li­fi­zier­te Nach­be­ar­bei­tung nicht aus, wenn Arz­nei­mit­tel- oder Medi­zin­pro­duk­te-Her­stel­ler haf­tungs­recht­li­che und finan­zi­el­le Kon­se­quen­zen ver­mei­den möch­ten.

Wann KI bei medizinischen Übersetzungen sinnvoll ist und wann nicht – meine Einschätzung

Wer KI-Über­set­zun­gen bei medi­zi­ni­schen Inhal­ten pau­schal ablehnt, ver­passt eine Chan­ce. Unter klar defi­nier­ten Bedin­gun­gen kann Künst­li­che Intel­li­genz Pro­zes­se beschleu­ni­gen und ent­las­ten. Ent­schei­dend ist, wel­chem Zweck der Text dient und wie pro­fes­sio­nell der Ein­satz vor­be­rei­tet wird.

Geht es bei der Fra­ge „Mensch oder KI für medi­zi­ni­sche Über­set­zun­gen“ dage­gen um werb­li­che, image­re­le­van­te oder beson­ders sen­si­ble Tex­te, über­wie­gen klar die Vor­tei­le einer rei­nen Human­über­set­zung. Als Sprach­ex­per­tin­nen für Medi­zin erspü­ren wir Zwi­schen­tö­ne, erfas­sen kul­tu­rel­le Nuan­cen und impli­zi­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zie­le, die sich nicht allein durch sta­tis­ti­sche Berech­nun­gen in einer ande­ren Spra­che repro­du­zie­ren las­sen.

Wann eine KI-Übersetzung OHNE Vor- und Nachbereitung vertretbar ist

Nur unter fol­gen­den Bedin­gun­gen fin­de ich per­sön­lich eine aus­schließ­li­che KI-Über­set­zung geeig­net:

  • bei rein infor­ma­ti­ven Tex­ten, bei denen es nur um das gro­be Ver­ständ­nis geht („Gis­ting“)
  • bei Inhal­ten, die aus­schließ­lich fir­men­in­tern ver­wen­det wer­den
  • wenn die Leser in der Text-The­ma­tik abso­lut sat­tel­fest sind und des­halb alle Unge­reimt­hei­ten erken­nen

Mein Tipp: Unge­prüf­te KI-Über­set­zun­gen immer deut­lich als sol­che kenn­zeich­nen!
Denn auch bei der inter­nen Kom­mu­ni­ka­ti­on kön­nen unge­prüf­te Über­set­zun­gen zu gra­vie­ren­den Miss­ver­ständ­nis­sen oder Feh­lern füh­ren.

Wann eine KI-Übersetzung vor- und nachbereitet werden MUSS

Ein umfas­sen­des KI-Pos­t­editing ist mei­ner Mei­nung nach uner­läss­lich

  • bei Fach­tex­ten, die ver­öf­fent­licht wer­den sol­len
  • bei Tex­ten mit erhöh­tem Risi­ko

In die­sen Fäl­len braucht es unbe­dingt eine sau­be­re Ter­mi­no­lo­gie, prä­zi­ses Promp­ting und eine fach­li­che sowie sprach­li­che Qua­li­täts­si­che­rung, mög­lichst nach den Vor­ga­ben der ISO-Norm zum Pos­t­editing maschi­nell über­setz­ter Tex­te (ISO 18587). Sol­che Tex­te sind bei mensch­li­chen Über­set­zern mit den ent­spre­chen­den Qua­lif­kat­io­nen bes­ser auf­ge­ho­ben.

Chirurgin mit Skalpell (KI-generiert mit Copilot von B. H.)
Die Vor- und Nach­be­ar­bei­tung von KI-Über­set­zun­gen ist auf­wen­dig.
Ent­schei­den Sie selbst: Wobei sind Ihre medi­zi­ni­schen Fach­kräf­te am effi­zi­en­tes­ten?

Versteckte Kosten bei KI-Nutzung für medizinische Übersetzungen

Wer KI-Anwen­dun­gen pro­fes­sio­nell nut­zen will, muss inves­tie­ren! Nicht nur in die Aus­wahl, Kon­fi­gu­ra­ti­on und Pfle­ge geeig­ne­ter Sys­te­me, son­dern auch in die Schu­lung der Nut­ze­rin­nen und Nut­zer sowie in struk­tu­rier­te Qua­li­täts­si­che­rung.

Unlängst sag­te ein befreun­de­ter Chir­urg zu mir: „Fach­über­set­ze­rin­nen wie dich wird man ja bald nicht mehr brau­chen, das macht doch dann die KI.“

Ich ant­wor­te­te mit einem Ver­gleich: „Klar, jeder kann mit KI über­set­zen. So wie ich dein Skal­pell neh­men und ein­fach einem Pati­en­ten die Haut auf­schnei­den könn­te. Aber ich bin sicher, wenn du als Spe­zia­list das machst, wird das Ergeb­nis deut­lich bes­ser!

Wer in Health­ca­re-Unter­neh­men KI-Sys­te­me ohne ent­spre­chen­des Know-how ein­setzt oder ledig­lich frei ver­füg­ba­re Stan­dard­lö­sun­gen nutzt, kann eine böse Über­ra­schung erle­ben. Denn dann keh­ren sich ver­meint­li­che Ein­spa­run­gen schnell ins Gegen­teil um: Not­wen­di­ge Nach­bes­se­run­gen von durch­wach­se­nen KI-Über­set­zun­gen bin­den Zeit, die den Mit­ar­bei­ten­den für ihre eigent­li­chen, wirt­schaft­lich viel sinn­vol­le­ren Auf­ga­ben fehlt. Das kos­tet, erscheint aber in kei­ner Kal­ku­la­ti­on!

Dabei liegt Lösung für die­ses Dilem­ma auf der Hand:

Die Kombination Mensch plus KI für medizinische Übersetzungen

Im Ide­al­fall heißt es nicht Mensch oder KI, son­dern Mensch plus KI: Der mensch­li­che Fach­über­set­zer berei­tet pro­fes­sio­nel­le KI-Anwen­dun­gen für kon­kre­te Sprach­dienst­leis­tun­gen vor, steu­ert sie und sichert die Resul­ta­te ab.

Für uns Über­set­ze­rin­nen und Über­set­zer ist die KI näm­lich nur ein wei­te­res Tool im Werk­zeug­kas­ten, denn wir nut­zen schon seit Jahr­zehn­ten Daten­bank­sys­te­me als Über­set­zungs­spei­cher (Trans­la­ti­on Memo­ries), zum Erstel­len von Glos­sa­ren (Ter­mi­no­lo­gie­da­ten­ban­ken) und als Doku­men­ten­kor­pus.

Auf die­sen (im Ide­al­fall frei­ge­ge­be­nen) Kun­den­da­ten bau­en wir auf und nut­zen mit struk­tu­rier­ten Prompts KI-Anwen­dun­gen und Cus­tomGPTs – etwa für fol­gen­de Zwe­cke:

  • Ziel­grup­pen­ana­ly­sen
  • Ter­mi­no­lo­gie­ex­trak­ti­on
  • Recher­che
  • Zusam­men­fas­sun­gen
  • Plau­si­bi­li­täts­prü­fun­gen
  • Ent­wick­lung von Über­set­zungs­al­ter­na­ti­ven
  • Lek­to­rat
  • Qua­li­täts­si­che­rung

Als Sprach­ex­per­tin­nen für Medi­zin erken­nen wir außer­dem die typi­schen Fall­stri­cke und unschein­ba­ren Feh­ler im KI-Out­put und über­ar­bei­ten die­sen sowohl fach­lich als auch sprach­lich.

Die Vor­tei­le des Hybrid­mo­dells Mensch plus KI für Unter­neh­men aus der Phar­ma und Medi­zin­tech­nik-Bran­che: Der Über­set­zungs­pro­zess wird beschleu­nigt, und die Qua­li­tät, regu­la­to­ri­sche Sicher­heit und das Kon­text­ver­ständ­nis blei­ben gewähr­leis­tet. Das Wich­tigs­te ist jedoch, dass die Kun­din­nen und Kun­den Zeit für ihre eigent­li­chen Auf­ga­ben zurück­ge­win­nen.

Wenn Sie noch unsi­cher sind, wel­cher Ansatz für die Über­set­zung Ihres kon­kre­ten medi­zi­ni­schen Texts passt, bera­ten wir Sie ger­ne indi­vi­du­ell. Kon­tak­tie­ren Sie uns.

Bil­der: Erstellt mit Copi­lot, nach Prompt von B. Hof­mann