Sie brauchen kurzfristig eine medizinische Übersetzung und überlegen, dafür Künstliche Intelligenz zu nutzen?
Hier erfahren Sie, wann das sinnvoll ist – und in welchen Fällen menschliche Fachübersetzer die bessere Wahl sind.
Das Wichtigste in Kürze
- KI-Übersetzungen wirken attraktiv, weil sie schnell verfügbar sind und zunächst wenig kosten.
- In der Praxis entsteht oft ein hoher Aufwand für die Nachbearbeitung von KI-übersetzten Texten.
- Nützliche Übersetzungen liefert KI bei klar strukturierten Texten, Rohfassungen oder Texten zur firmeninternen Verwendung.
- Bei medizinischen Fachtexten können unpräzise Übersetzungen schwerwiegende Folgen haben und Haftungsrisiken verursachen.
- KI erkennt Unklarheiten im Ausgangstext häufig nicht. Sie „halluziniert“ dann plausibel klingende, aber falsche Übersetzungen.
- Menschliche Fachübersetzer prüfen Inhalte kritisch und stellen Rückfragen, sie beachten den Kontext und nutzen einheitliche Terminologie.
- Fazit: Ein sorgfältiges Abwägen aller Vor- und Nachteile senkt die Risiken.
Bei regulatorischen, gesundheitskritischen oder imagerelevanten Texten überwiegen die Vorteile einer Humanübersetzung. - Mein Tipp: Die Kombination aus Mensch und KI wirkt wie ein Turbo: Profi-Fachübersetzer nutzen Künstliche Intelligenz wie ein Präzisionsinstrument und gewährleisten hohe Qualität auch bei kurzen Lieferfristen.
Inhaltsverzeichnis
- Warum KI-Übersetzungen besonders in der Medizin einen Hype erleben
- KI-Übersetzung vs. menschliche Fachübersetzer bei medizinischen Texten
- Entscheidungshilfe-Tabelle: Mensch oder KI bei medizinischen Übersetzungen
- Vor- und Nachteile von KI- und Humanübersetzungen im Detail
- Diese Vorteile sprechen für menschliche Übersetzer bei medizinischen Texten
- Das sind die Nachteile menschlicher Übersetzer bei medizinischen Texten
- Diese Vorteile sprechen für KI bei der medizinischen Übersetzung
- Das sind die Nachteile von KI-Übersetzungen medizinischer Texte
- Bei diesen 4 Arten medizinischer Texte sind KI-Übersetzungen ein Risiko
- Wann KI bei medizinischen Übersetzungen sinnvoll ist und wann nicht – meine Einschätzung
- Versteckte Kosten bei KI-Nutzung für medizinische Übersetzungen
- Die Kombination Mensch plus KI für medizinische Übersetzungen
Warum KI-Übersetzungen besonders in der Medizin einen Hype erleben
Kennen Sie das? Es ist Freitagvormittag, Sie haben gerade einen Bescheid von der deutschen Behörde erhalten und sollen bis Dienstag Stellung nehmen.
Dazu muss der Bescheid aber erst ins Englische übertragen werden, damit die Mutterfirma in den USA einbezogen werden kann, und die englische Antwort brauchen Sie dann wieder auf Deutsch. Stress pur!
Knappe Budgets, enge Timelines und immer mehr zu übersetzende Texte – solche Situationen müssen Sie als Beschäftigte in der Gesundheitsbranche täglich bewältigen. Da wirkt Künstliche Intelligenz wie ein Allheilmittel: Sie ist schnell, scheinbar günstig und jederzeit verfügbar.
In der Praxis zeigt sich aber, dass ein kurzes „Drüberschauen“ bei KI-Übersetzungen selten reicht:
- Medizinische Fachabteilungen verbringen viel Zeit damit, KI-Übersetzungen wieder geradezubiegen.
- Das Nachbearbeiten von KI-Übersetzungen durch Fachübersetzer kostet mehr als gedacht.
Deshalb kann Ihnen eine gründliche Abwägung „Mensch vs. KI“ vor Beginn einer Übersetzung viel Zeit sparen und die Nerven schonen.
KI-Übersetzung vs. menschliche Fachübersetzer bei medizinischen Texten
Die Entscheidung zwischen KI und Mensch bei der medizinischen Übersetzung ist selten eine reine Kostenfrage. Mindestens ebenso wichtig sind für Pharma‑, MedTech- und MedComms-Unternehmen beispielsweise:
- Geschwindigkeit
- Qualität
- regulatorische Sicherheit
- Haftungsrisiko
- Aufwand für Mitarbeitende des Kunden.
Bei diesen und anderen Kriterien unterscheiden sich KI-Übersetzungen und eine professionelle menschliche Fachübersetzung deutlich. Je nachdem, worauf es Ihnen als Kundin oder Kunde ankommt, werden Sie die Vor- und Nachteile ganz unterschiedlich gewichten.
Entscheidungshilfe-Tabelle: Mensch oder KI bei medizinischen Übersetzungen
In der folgenden Übersicht sind die wichtigsten Entscheidungskriterien gegenübergestellt. Eine ausführliche Erklärung der Vor- und Nachteile finden Sie weiter unten.
| Kriterium | Übersetzung durch KI-Tool | Menschliche Übersetzung | Bewertung /Interpretation |
|---|---|---|---|
| Geschwindigkeit | Ergebnisse in Sekunden verfügbar | Begrenzte Tagesleistung oder Übersetzerteams nötig | Vorteil KI bei sehr kurzfristigem Bedarf |
| Kosten | Geringe direkte Kosten bei frei verfügbarer KI; Aufwand durch Prompting /Nachbearbeitung | Höhere Honorare, aber weniger Nachbearbeitung | KI wirkt günstiger, verursacht aber versteckte Kosten |
| Textvolumen | Große Textmengen schnell verarbeitbar | Hohe Volumina erfordern mehr Zeit oder Teamarbeit | Vorteil KI bei Massentexten |
| Qualität | Gut bei klar strukturierten Texten; stark abhängig von Input /Nachbearbeitung | Fachlich und sprachlich präzise, kontextsensibel | Vorteil Mensch bei Fachtexten |
| Halluzinationen & Fehlinterpretationen | Plausibel klingende, aber falsche Übersetzungen möglich | Unklare Passagen werden erkannt und aktiv geklärt | Starker Vorteil Mensch |
| Terminologiekonsistenz | Nur bei Einbindung gepflegter Glossare | Aktive Terminologiearbeit und Glossarpflege | Vorteil Mensch |
| Regulatorische Sicherheit | Abhängig von Input und sorgfältiger Nachkontrolle | Kenntnis regulatorischer Anforderungen | Vorteil Mensch |
| Zielgruppenverständnis | Fehlt ohne präzises Prompting | Analyse von Zielgruppe und Kommunikationsziel | Vorteil Mensch |
| Marketing- und Kommunikationstexte | Kulturelle /emotionale Nuancen nur eingeschränkt erfassbar | Sensibilität für Nuancen, Anpassung an Tonalität und kulturellen Kontext | Vorteil Mensch |
| Abstimmungsaufwand | Kein Briefing, aber aufwendiges Prompting | Briefing und Feedback | Unterschiedliche Arbeitsweise |
| Ansprechpartner | Kein menschlicher Kontakt | Direkte Ansprechperson | Vorteil Mensch |
| Haftungsrisiko | Hohes Risiko ohne qualifizierte Nachbearbeitung | Reduziert durch Know-how und QA | Klarer Vorteil Mensch |
| Vertraulichkeit und Datenschutz (DSGVO) | Kritisch bei frei verfügbaren Systemen | Vertraglich abgesichert | Vorteil Mensch |
| Aufwand für Mitarbeitende | Vor- /Nachbereitung der KI-Übersetzung erforderlich | Gering bei längerfristiger Zusammenarbeit | Vorteil Mensch |
Vor- und Nachteile von KI- und Humanübersetzungen im Detail
Hier sind nun alle Stärken und Schwächen der beiden Übersetzungsstrategien einzeln aufgeführt.
Diese Vorteile sprechen für menschliche Übersetzer bei medizinischen Texten
Während KI-Modelle Texte nur auf Basis statistischer Wahrscheinlichkeiten und sprachlicher Muster errechnen, erfassen medizinische Fachübersetzer die tatsächlichen Bedeutungen, die Zusammenhänge und die Zielsetzung eines Textes.
Was das konkret bedeutet:
- Sachverständnis und strukturierte Recherche – Medizinische Fachübersetzer arbeiten sich auf Grundlage ihres Fachwissens rasch in neue Themengebiete ein. Sie prüfen Quellen, gleichen die Terminologie ab, analysieren den Kontext und bewerten die Plausibilität von Aussagen.
- Hinweise auf Fehler oder Unklarheiten im Ausgangstext – Fachübersetzer nehmen den Ausgangstext kritisch unter die Lupe. So erkennen sie Widersprüche, ungenaue Formulierungen oder Ungereimtheiten. Unklare Stellen werden nicht wie bei KI frei interpretiert, sondern mit den Kunden abgeklärt.
Positiver Nebeneffekt: Auch die Qualität des Ausgangstexts wird auf diese Weise verbessert. Das ist besonders wertvoll, wenn Textmodule mehrfach verwendet oder in mehrere Sprachen übersetzt werden. - Aufbau und Pflege produkt- und firmenspezifischer Terminologie – Eine professionelle Terminologiearbeit ist der Schlüssel zu einheitlichen und verständlichen Texten in Medizin und Medizintechnik. Menschliche Übersetzerinnen und Übersetzer erstellen und pflegen Produkt- und Firmenglossare mit Terminologiedatenbanken wie memoQ, MultiTerm oder QuickTerm. So gewährleisten sie eine einheitliche Wortwahl über alle Dokumente hinweg („Corporate Wording“).
- Kontinuierliche Weiterbildung in Medizin, Technik und regulatorischen Anforderungen – Um mit neuen Produktentwicklungen und regulatorischen Vorgaben Schritt zu halten, bilden sich medizinische Fachübersetzer kontinuierlich fort. Sie vertiefen ihr Fachwissen, schärfen ihre sprachliche Kompetenz und arbeiten sich in neue IT-Anwendungen ein, damit die Kunden möglichst einfach und schnell ihre Übersetzungen bekommen.
- Persönliche Ansprechperson und direkter Austausch – Viele Kundinnen und Kunden aus Pharmaunternehmen oder Healthcare-Agenturen wünschen sich eine feste Ansprechperson für ihre Übersetzungsprojekte. Das spart ihnen Zeit bei der Auftragsklärung und vereinfacht Abstimmungen. Insbesondere bei komplexen oder sensiblen Inhalten ist der direkte Austausch mit dem Übersetzer oder der Übersetzerin effizienter als die Nutzung eines anonymen Systems.
- Aktives Nachfragen bei fehlendem Textverständnis – Menschliche Übersetzerinnen und Übersetzer kennen die Grenzen ihres eigenen Verständnisses und diskutieren offene Punkte mit ihren Kunden. Unklare Passagen werden also nicht einfach interpretiert oder stillschweigend ergänzt, sondern transparent angesprochen.
- Sensibilität für Zwischentöne, Adaption und kulturelle Nuancen – Menschliche Fachübersetzer übertragen medizinische Inhalte nicht nur sprachlich, sondern passen sie an Kontext, Zielgruppe und Kommunikationsziel an. Sie erfassen sprachliche Bilder, implizite Botschaften und feine Bedeutungsnuancen, damit Marketingmaterialien und Awareness-Kampagnen Patientinnen und Patienten sowie medizinische Fachkräfte erreichen und die gewünschte Wirkung erzielen.
Das sind die Nachteile menschlicher Übersetzer bei medizinischen Texten
Bei medizinischen Texten überzeugen menschliche Übersetzungsprofis durch Qualität und Kontextverständnis. Gleichzeitig gibt es organisatorische Einschränkungen.
Schauen wir uns die wichtigsten Punkte an:
- Begrenzte Kapazität bei großen Volumina – Je nach Komplexität des Textes und Rechercheaufwand sind bei reiner Humanübersetzung etwa 1.500 bis 2.000 Wörter pro Tag realistisch. Umfangreiche Zulassungsdokumente oder Produktlaunch-Materialien etwa erfordern deshalb längere Lieferfristen, eingespielte Übersetzerteams oder eine Hybridlösung aus Mensch plus KI.
- Abstimmungsbedarf durch Briefing und Feedback – Professionelle Fachübersetzer benötigen klare Vorgaben (z. B. zur Zielgruppe und zum Verwendungszweck), Referenzdokumente sowie konstruktives Feedback, damit sie treffsichere medizinische Texte liefern können. Das erfordert eine Zeitinvestition auf beiden Seiten.
- Höhere Kosten – Fachübersetzerinnen und ‑übersetzer sind Sprachprofis mit medizinischem Spezialwissen, die sich kontinuierlich fortbilden. Die Übersetzungskosten sind daher auf den ersten Blick höher als bei Nutzung frei verfügbarer KI-Tools.
- Terminologiemanagement verursacht Aufwand –Die systematische Erarbeitung eines Firmenwortschatzes oder Produktglossars trägt wesentlich zu einer hohen Übersetzungsqualität. Gleichzeitig bedeutet sie organisatorischen Aufwand und eine Zusatzinvestition.
Doch was sind nun die Stärken und Schwächen von Künstlicher Intelligenz bei medizinischen Übersetzungen?
Diese Vorteile sprechen für KI bei der medizinischen Übersetzung
KI ist sofort einsatzbereit und übersetzt auch lange Texte ohne organisatorischen Aufwand. Das entlastet vor allem bei internen Dokumenten oder ersten Entwürfen.
Was bedeutet das konkret?
- Hohe Geschwindigkeit und sofortige Verfügbarkeit – Eine KI übersetzt innerhalb von Sekunden. Die Suche nach einem passenden Fachübersetzer sowie Briefing, Angebotsprüfung und Rückfragen entfallen. Vor allem wenn Unterlagen kurzfristig benötigt werden, ist das ein Pluspunkt.
- Kosteneinsparung – Wird ein internes oder frei verfügbares KI-System genutzt, entstehen zunächst keine externen Übersetzungskosten. Unter Budgetdruck prüfen viele Unternehmen daher, ob sie medizinische Fachtexte von KI übersetzen lassen können (aber versteckte Kosten!).
- Skalierbarkeit bei großen Volumina – Auch Hunderte von Seiten medizinischer und medizintechnischer Texte lassen sich mit KI in kurzer Zeit übersetzen. Die Anzahl der Wörter spielt für das KI-System zunächst keine Rolle.
- Entlastung interner Teams – Viele Life-Sciences- und Medizintechnik-Unternehmen setzen darauf, ihre Übersetzungsprozesse durch KI zu beschleunigen. So sollen sich Mitarbeitende stärker auf Produktentwicklung, Zulassungsprozesse oder strategische Kommunikation konzentrieren können.
Das sind die Nachteile von KI-Übersetzungen medizinischer Texte
Im medizinischen Kontext können sprachliche Ungenauigkeiten ernsthafte Folgen haben. Deshalb fallen Schwächen von KI-Übersetzungen hier besonders ins Gewicht.
Kritische Punkte sind insbesondere:
- Terminologiekonsistenz – Viele Unternehmen pflegen ihren Firmenwortschatz nicht systematisch in ihre KI-Übersetzungsplattform ein. Dadurch werden Begriffe innerhalb eines Dokuments oder über mehrere Texte hinweg unterschiedlich verwendet. Das kann zu Anwendungs- oder Bedienfehlern führen – und im Extremfall sogar zu Gesundheitsschäden bei Patienten und medizinischen Fachkräften!
- Fehlendes Kontext- und Zielgruppenverständnis – Die KI kann nur mit den Informationen arbeiten, die man ihr eingibt („Prompting“). Wer Zielgruppe, Verwendungszweck und gewünschte Tonalität nicht präzise festlegt, erhält einen Text, der zwar sprachlich korrekt klingt, aber seine Zielgruppe oder Wirkung verfehlt.
- Ausgangstext-Fehler und Halluzinationen – Enthält der Ausgangstext Fehler oder Unklarheiten, weist die KI nicht darauf hin. Stattdessen erzeugt sie eine schlüssig wirkende Übersetzung, die missverstanden werden kann. Weil sich das Ergebnis flüssig liest, werden Fehler leicht übersehen.
- Unklare Haftungsfrage bei inhaltlichen Fehlern – Wer für falsche KI-Übersetzungen verantwortlich ist, ist noch nicht abschließend geklärt. Zunächst haftet jedoch vermutlich das Unternehmen, das den Text veröffentlicht. Dass der europäische AI Act KI-Anwendungen im medizinischen Umfeld zudem als Hochrisiko-Systeme einstuft, verunsichert viele Healthcare-Firmen.
- Vertraulichkeit und Datenschutz im sensiblen medizinischen Umfeld – Medizinische Texte enthalten oft sensible oder personenbezogene Informationen. Wer solche Inhalte in KI-Systeme eingibt, muss sicherstellen, dass die Daten DSGVO-konform verarbeitet und gespeichert werden. Das ist längst nicht bei jedem Tool selbstverständlich. Alternativ müssen Texte vor der Eingabe in die KI aufwendig anonymisiert werden.
- Fehlende Empathie und Weltwissen bei Patiententexten – KI verarbeitet Sprache statistisch. Sie kennt weder die Lebensrealität von Patientinnen und Patienten noch deren Umfeld. Bei Informationsmaterial, Aufklärungsbögen oder Anleitungen für Betroffene und Angehörige kommt es jedoch darauf an, sensibel zu formulieren und auch zwischen den Zeilen zu lesen. Ein Text kann sprachlich korrekt und trotzdem distanziert klingen oder an den Sorgen der Menschen völlig vorbeigehen.
Das Abwägen der Vor- und Nachteile einer KI-Übersetzung lohnt sich, aber bei einigen Texttypen überwiegen eindeutig die Nachteile:
Bei diesen 4 Arten medizinischer Texte sind KI-Übersetzungen ein Risiko
Bei bestimmten Texten kann eine ungenaue oder fehlerhafte Übertragung erhebliche Folgen haben – fachlich, regulatorisch oder wirtschaftlich.
- Gesundheitskritische Texte – Dazu zählen beispielsweise Gebrauchsanleitungen und Packungsbeilagen, da Übersetzungsfehler hier zu falscher Anwendung führen und die Gesundheit von Patientinnen, Patienten oder medizinischem Fachpersonal gefährden können.
- Regulatorische Texte – Bei uneinheitlich oder fehlerhaft übersetzten Zulassungsunterlagen oder technische Dokumentationen können Behörden von Pharma- oder Medizintechnikunternehmen CAPA-Maßnahmen oder sogar Rückrufe verlangen.
- Imagerelevante Texte – Websites, Marketingtexte und Pressemitteilungen prägen die Außenwirkung von Pharma- und Medizintechnik-Unternehmen (und ihren Produkten). Sprachliche Ungenauigkeiten oder kulturelle Fehlgriffe können Vertrauen kosten und das Image nachhaltig beeinträchtigen.
- Texte mit hohem Wiederverwendungspotenzial – Wenn Inhalte in mehreren Dokumenten, Medien oder Produktlinien eingesetzt werden, wirken sich Terminologie- oder Stilbrüche nachhaltig aus. Jeder Fehler setzt sich fort und überträgt sich auf weitere Dokumente.
Bei solchen Texten reicht eine rein automatisierte Übersetzung ohne qualifizierte Nachbearbeitung nicht aus, wenn Arzneimittel- oder Medizinprodukte-Hersteller haftungsrechtliche und finanzielle Konsequenzen vermeiden möchten.
Wann KI bei medizinischen Übersetzungen sinnvoll ist und wann nicht – meine Einschätzung
Wer KI-Übersetzungen bei medizinischen Inhalten pauschal ablehnt, verpasst eine Chance. Unter klar definierten Bedingungen kann Künstliche Intelligenz Prozesse beschleunigen und entlasten. Entscheidend ist, welchem Zweck der Text dient und wie professionell der Einsatz vorbereitet wird.
Geht es bei der Frage „Mensch oder KI für medizinische Übersetzungen“ dagegen um werbliche, imagerelevante oder besonders sensible Texte, überwiegen klar die Vorteile einer reinen Humanübersetzung. Als Sprachexpertinnen für Medizin erspüren wir Zwischentöne, erfassen kulturelle Nuancen und implizite Kommunikationsziele, die sich nicht allein durch statistische Berechnungen in einer anderen Sprache reproduzieren lassen.
Wann eine KI-Übersetzung OHNE Vor- und Nachbereitung vertretbar ist
Nur unter folgenden Bedingungen finde ich persönlich eine ausschließliche KI-Übersetzung geeignet:
- bei rein informativen Texten, bei denen es nur um das grobe Verständnis geht („Gisting“)
- bei Inhalten, die ausschließlich firmenintern verwendet werden
- wenn die Leser in der Text-Thematik absolut sattelfest sind und deshalb alle Ungereimtheiten erkennen
Mein Tipp: Ungeprüfte KI-Übersetzungen immer deutlich als solche kennzeichnen!
Denn auch bei der internen Kommunikation können ungeprüfte Übersetzungen zu gravierenden Missverständnissen oder Fehlern führen.
Wann eine KI-Übersetzung vor- und nachbereitet werden MUSS
Ein umfassendes KI-Postediting ist meiner Meinung nach unerlässlich
- bei Fachtexten, die veröffentlicht werden sollen
- bei Texten mit erhöhtem Risiko
In diesen Fällen braucht es unbedingt eine saubere Terminologie, präzises Prompting und eine fachliche sowie sprachliche Qualitätssicherung, möglichst nach den Vorgaben der ISO-Norm zum Postediting maschinell übersetzter Texte (ISO 18587). Solche Texte sind bei menschlichen Übersetzern mit den entsprechenden Qualifkationen besser aufgehoben.

Entscheiden Sie selbst: Wobei sind Ihre medizinischen Fachkräfte am effizientesten?
Versteckte Kosten bei KI-Nutzung für medizinische Übersetzungen
Wer KI-Anwendungen professionell nutzen will, muss investieren! Nicht nur in die Auswahl, Konfiguration und Pflege geeigneter Systeme, sondern auch in die Schulung der Nutzerinnen und Nutzer sowie in strukturierte Qualitätssicherung.
Unlängst sagte ein befreundeter Chirurg zu mir: „Fachübersetzerinnen wie dich wird man ja bald nicht mehr brauchen, das macht doch dann die KI.“
Ich antwortete mit einem Vergleich: „Klar, jeder kann mit KI übersetzen. So wie ich dein Skalpell nehmen und einfach einem Patienten die Haut aufschneiden könnte. Aber ich bin sicher, wenn du als Spezialist das machst, wird das Ergebnis deutlich besser!“
Wer in Healthcare-Unternehmen KI-Systeme ohne entsprechendes Know-how einsetzt oder lediglich frei verfügbare Standardlösungen nutzt, kann eine böse Überraschung erleben. Denn dann kehren sich vermeintliche Einsparungen schnell ins Gegenteil um: Notwendige Nachbesserungen von durchwachsenen KI-Übersetzungen binden Zeit, die den Mitarbeitenden für ihre eigentlichen, wirtschaftlich viel sinnvolleren Aufgaben fehlt. Das kostet, erscheint aber in keiner Kalkulation!
Dabei liegt Lösung für dieses Dilemma auf der Hand:
Die Kombination Mensch plus KI für medizinische Übersetzungen
Im Idealfall heißt es nicht Mensch oder KI, sondern Mensch plus KI: Der menschliche Fachübersetzer bereitet professionelle KI-Anwendungen für konkrete Sprachdienstleistungen vor, steuert sie und sichert die Resultate ab.
Für uns Übersetzerinnen und Übersetzer ist die KI nämlich nur ein weiteres Tool im Werkzeugkasten, denn wir nutzen schon seit Jahrzehnten Datenbanksysteme als Übersetzungsspeicher (Translation Memories), zum Erstellen von Glossaren (Terminologiedatenbanken) und als Dokumentenkorpus.
Auf diesen (im Idealfall freigegebenen) Kundendaten bauen wir auf und nutzen mit strukturierten Prompts KI-Anwendungen und CustomGPTs – etwa für folgende Zwecke:
- Zielgruppenanalysen
- Terminologieextraktion
- Recherche
- Zusammenfassungen
- Plausibilitätsprüfungen
- Entwicklung von Übersetzungsalternativen
- Lektorat
- Qualitätssicherung
Als Sprachexpertinnen für Medizin erkennen wir außerdem die typischen Fallstricke und unscheinbaren Fehler im KI-Output und überarbeiten diesen sowohl fachlich als auch sprachlich.
Die Vorteile des Hybridmodells Mensch plus KI für Unternehmen aus der Pharma und Medizintechnik-Branche: Der Übersetzungsprozess wird beschleunigt, und die Qualität, regulatorische Sicherheit und das Kontextverständnis bleiben gewährleistet. Das Wichtigste ist jedoch, dass die Kundinnen und Kunden Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben zurückgewinnen.
Wenn Sie noch unsicher sind, welcher Ansatz für die Übersetzung Ihres konkreten medizinischen Texts passt, beraten wir Sie gerne individuell. Kontaktieren Sie uns.
Bilder: Erstellt mit Copilot, nach Prompt von B. Hofmann

Birgit Hofmann ist staatlich geprüfte Übersetzerin mit über 30-jähriger Erfahrung in Pharma‑, MedTech- und MedComms-Projekten – unter anderem als frühere Leiterin des Sprachendienstes in der Deutschlandzentrale von Baxter Healthcare Inc.
Sie veröffentlicht regelmäßig Artikel in Fachzeitschriften, etwa im mdü oder im BayernInfo. In diesem Blog schreibt sie über Herausforderungen medizinischer Fachübersetzungen sowie die Nutzen und Risiken von KI in der medizinischen Kommunikation.

